Czeslaw M., Ende 1938
(Quelle: AK Stadtgeschichte)

 



Postkarte aus dem KZ Drütte, 1944
(Quelle: AK Stadtgeschichte)

 



Bombardierte Züge in Celle, 1945
(Quelle: Bomann-Museum Celle)

 



Aufruf, 1946 (Quelle: Jüd. Museum BS)

 

BIOGRAPHIE: Czeslaw M.

Czeslaw M. arbeitet bei den Flugzeugwerken im besetzten Warschau. Im August 1940 wird er bei einer Straßenrazzia festgenommen und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Das KZ ist zu diesem Zeitpunkt kaum zwei Monate alt. Erst am 27. Juli 1940 waren die ersten polnischen Gefangenen in Auschwitz angekommen, um das Stammlager aufzubauen. In nur sechs Monaten verliert der 19jährige 34 Kilo, seine Hände und Füße sind erfroren. Czeslaw M. ist ein "Muselmann" geworden. So nennen die SS und Häftlinge diejenigen, die dem Hungertod nahe, völlig entkräftet, apathisch und in ihr Schicksal ergeben sind. "Wenn ich noch zwei Monate länger in Auschwitz geblieben wäre, dann hätte ich es nicht überlebt. Ich meine, dass ich mein Leben bestimmt an diesem Drahtzaun beendet hätte", schätzt Czeslaw M. seine damalige Situation ein.

Im April 1941 gelangt er mit Hilfe des Blockältesten auf die Transportliste in das KZ Neuengamme. Die meisten Männer dieses ersten Transportes aus Auschwitz arbeiten in den Tongruben. Dort müssen sie im Morast, bei Nässe und Kälte den schweren Ton stechen, ihn in Loren schaufeln und ins Werk schieben.

Im Frühjahr 1943 wird Czeslaw M. von der SS für ein Arbeitskommando im Außenlager KZ Drütte auf dem Gelände der Reichswerke "Hermann Göring" ausgewählt. Hier gehört er zu den wenigen, die nicht in der Rüstungsproduktion eingesetzt sind, sondern in einem Arbeitskommando, das für die SS tätig ist. Der junge Pole arbeitet als eine Art Diener für den Hauptsturmführer. Er macht ihm das Bett, räumt auf und bringt ihm das Essen. "Und dann ging ich in die Küche, um Kaffee für diesen Mann zu holen und ich stahl dort zwei Fleischkonserven für meine Kameraden. Und ich wurde einfach verraten und der SS-Mann, der am Lagertor stand, fragte mich: 'Was hast Du in der Kanne?' Ich sagte: 'Kaffee' und dann musste ich ausschütten. Dort waren die zwei Fleischkonserven. Ich wurde mit 25 Stockschlägen bestraft, in Anwesenheit aller Häftlinge, also nach der Arbeit." Es folgt die Strafversetzung in das Kommando "Blockbrecherei", eines der schwersten im Werk.

In der Nacht vom 7. zum 8. April 1945 wird das Lager "evakuiert", da die Alliierten bereits in der Nähe Salzgitters sind. Als der Zug mit ca. 3500 Häftlingen am nächsten Tag in Celle einfährt, gerät er in den Angriff von US-Bombengeschwadern, die ihre Bomben in der Nähe des Güterbahnhofs abwerfen. Wohl die Hälfte der Häftlinge kommt dabei ums Leben. Die Übrigen flüchten in die Umgebung. Doch nach dem Ende der Bombardierung beginnen SS, Volkssturm und Hitlerjugend, aber auch zivile Celler Bürger eine regelrechte Treibjagd auf die Häftlinge. Czeslaw M., dem die Flucht geglückt war, erinnert sich: "Im Wald, hinter den Bäumen waren Hitlerjungen versteckt, die auf die Flugzeuge geschossen haben (...). Und als alles vorbei war, haben sie uns wahrgenommen. Den Häftlingen, die sie festnehmen konnten, befahlen sie, sich auf den Boden zu legen und sie schossen auf sie, auf den Kopf."

Gemeinsam mit fünf oder sechs weiteren Häftlingen versteckt er sich im Wald und wird am nächsten Tag von amerikanischen Soldaten gefunden. In einem Lager für Displaced Persons, das nahe dem ehemaligen KZ Bergen-Belsen eingerichtet worden war, erholt sich Czeslaw M. bis zum Januar 1946. Anschließend kehrt er in das völlig zerstörte Warschau zurück und beginnt als Busfahrer zu arbeiten.

Im April 1992 besucht Czeslaw M. das erste Mal nach dem Krieg das ehemalige Konzentrationslager Drütte. Zusammen mit anderen ehemaligen Häftlingen versucht er seine Erinnerungen zum Lagerleben zu bestimmen und zu lokalisieren. Heute lebt er in Warschau.

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