![]() Eva B., Sombor 1943 (Quelle: AK Stadtgeschichte)
Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, 2001 (Quelle: AK Stadtgeschichte) |
BIOGRAPHIE: Eva B. Nach der Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen im März 1944 beginnt die Deportation der jüdischen Gemeinde in Sombor, einer kleinen von den Ungarn besetzten Stadt im Norden Jugoslawiens. Die 17jährige Eva B. und ihre Mutter werden in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht. "Zuerst hat man die ganze Nacht gewartet, dass wir die Nummern bekommen, die hat man uns tätowiert. Dann hat man uns alles, alles weggenommen. Nackt sind wir in Bäder, sogenannte Sauna gekommen. Dort wurden wir ein paar Minuten gebadet und dann haben wir Lumpen und sogenannte Schuhe bekommen." Im Herbst kommt Eva mit einer eitrigen Wunde am Bein zum zweiten Mal ins Krankenrevier, wo Dr. Mengele am 13. Oktober eine Selektion durchführt. Die Jüdinnen müssen sich ausziehen und nackt an ihm und seinem Stab vorbeigehen. Eva versucht aus seinem Gesichtsausdruck zu lesen. Darf sie weiterleben? Was denkt dieser Mensch wohl? Evas Mutter überlebt die Selektion nicht. Ende Oktober wird sie in Auschwitz vergast. Eva B. wird weiter in das KZ Bergen-Belsen und bald darauf in die SS Reitschule an der Salzdahlumer Straße in Braunschweig verlegt. Die etwa 600 Frauen in diesem KZ werden zum Trümmerräumen in der Stadt eingesetzt. Sie schlafen in den ehemaligen Ställen auf dem Betonboden, der nur mit einer dünnen Schicht Stroh bedeckt ist. Bei ihrem Eintreffen bekommen sie dünne Mäntel als Kleiderersatz. Gestreifte Kleidung gibt es nicht mehr, ebenso wenig aber auch Kleidung zum Wechseln. Sie erinnert sich an die verbotenen Kontakte zu den Braunschweigern:"Einmal ist eine Frau auf dem Fahrrad mit einem Korb Äpfel vorbeigefahren. Sie schüttete den ganzen Inhalt des Korbes aus und fuhr weiter. Eine Begegnung mit Hitlerjugendbuben: einer von ihnen wirft uns ein kleines Päckchen von 2-3 Kuchen zu. Ein anderes Mal waren es keine Kuchen sondern Steine." Ende Februar wird ein Teil der Frauen auf Lastwagen verladen. Nach kurzer Fahrt hat der Transport das KZ Watenstedt erreicht. Eine polnische Ärztin und polnische Pflegerinnen versorgen die Kranken. Die Frauen liegen nur noch, die Baracke verlassen sie nicht einmal. Nur zum Waschen und für den Gang zur Toilette stehen sie noch auf. Am 8. April wird das Lager "evakuiert". Die Häftlinge werden in Viehwaggons geladen und zuerst in das KZ Sachsenhausen gebracht, doch das Konzentrationslager ist voll. Der Transport mit den halbtoten Häftlingen wird schließlich im KZ Ravensbrück untergebracht. Dann geht der sogenannte Todesmarsch in nordwestliche Richtung, dem einzigen freien Korridor zwischen den Fronten, los. "Das war kein Gehen, das war halb ohnmächtig. Und natürlich die SS-Männer und SS-Frauen und die Hunde, die kamen mit uns. Sie haben geschrien und gebrüllt und uns gejagt. (...) Wir konnten nicht stehen bleiben. Man hat uns gesagt, wer stehen bleibt wird erschossen." Nach einem Marsch von ungefähr vier Tagen werden die KZ-Häftlinge am Morgen des 2. Mai 1945 von der Roten Armee in Malchow befreit. Eva B. ist lungenkrank und sehr schwach. Sie bleibt mehrere Monate unter ärztlicher Aufsicht und erholt sich. Zehn Tage nach ihrer Ankunft in Sombor trifft auch Evas Vater ein. Ohne jeden Besitz, ohne ein Dach über dem Kopf müssen Eva und ihr Vater ihr Leben neu organisieren. Im Frühjahr 1946 entscheidet sich Eva B. für ein Studium der Ökonomie in Belgrad, wo sie in einem jüdischen Studentenheim als Stipendiatin lebt. Heute lebt Eva B. mit ihrem Mann in Belgrad. Sie hat zwei Kinder und vier Enkel. Nach einem Besuch in Auschwitz und Ravensbrück in der Mitte der 90er Jahre sieht sie 1997 das erste Mal nach dem Krieg Braunschweig und Watenstedt wieder. Sie legt großen Wert darauf, die Erinnerung an das Geschehene als wichtige Mahnung aufrechtzuerhalten und setzt sich mit ihrem Erinnerungsbeitrag bewusst gegen das Vergessen ein. |