Jan A. (rechts), ca. 1941
(Quelle: AK Stadtgeschichte)

 



Zwangsarbeiter auf dem Schloßgut Neuwedel, September 1943
(Quelle: AK Stadtgeschichte)

 



Bombenproduktion in den Stahlwerken Braunschweig, ca.1942
(Quelle: AK-StG.)







 

BIOGRAPHIE: Jan A.

Nach einer Vorladung des Arbeitsamtes muss das Ehepaar A. am 6. April 1940 die Familie in Gostynin bei Kutno (Polen) verlassen. Beide werden zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft eingesetzt. Die "Polenerlasse" schränken ihr tägliches Leben stark ein. Auf dem Schlossgut bei der Stadt Neuwedel (Drawno) wird Jan A. am 15. Januar 1944 wegen heimlichen Radiohörens verhaftet und soll erschossen werden. Doch der Gutsverwalter setzt sich für ihn ein und kann die Todesstrafe verhindern.

Nach einer Odyssee durch mehrere Gefängnisse wird Jan A. im Mai 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg eingeliefert. Dort arbeitet er, nunmehr als Nummer 29883 entmenschlicht, im Klinkerwerk der Ziegelei. Im Herbst des gleichen Jahres wird er in das KZ Watenstedt-Leinde verlegt. Gemeinsam mit 1500 bis 2000 Häftlingen geht der Transport zu den Reichswerken "Hermann Göring", einem der größten Rüstungsbetriebe des Deutschen Reiches.

In den Stahlwerken Braunschweig arbeitet Jan A. in der Munitionsherstellung. Zu seinen Aufgaben als "Zentrierer" gehört das Bohren von Öffnungen in die Geschosse. Danach werden diese an den Drehmaschinen bearbeitet und schließlich mit Pulver gefüllt. Jan A. wird mehrmals von Aufsehern brutal geschlagen; ein Franzose, mit dem er zusammen arbeitet, wird erschossen, als er bei der Arbeit ohnmächtig zusammenbricht. Schlafmangel und Unterernährung führen zu den vielen Arbeitsunfällen, die von den Deutschen als Sabotage ausgelegt und schwer bestraft werden.

Nach der Arbeit müssen die Häftlinge weitere Baracken bauen. So endet ein Arbeitstag, der frü morgens in der Rüstungsproduktion beginnt erst gegen 24.00 Uhr. "Um vier Uhr mussten wir alle auf dem Appellplatz vor den Blöcken stehen, bis 7.00 Uhr. ...bei jedem Wetter, im Schnee, bei Wind, wir mussten stehen. Um 7.00 Uhr kam der Oberscharführer, der Blockälteste musste den Bericht erstatten, die Zahl der Häftlinge angeben und als alle Blöcke die Meldung erstattet hatten, marschierten wir in die Fabrik", erinnert sich Jan A.. Mittags wird eine dünne Steckrübensuppe ausgegeben. Zum Frühstück und Abendbrot erhalten die schwer arbeitenden Männer ebenfalls nur Hungerrationen: bitteren Kaffeeersatz, 100 g schwarzes Brot, Margarine und Marmelade.

Die hygienischen Zustände im Lager sind katastrophal. Die Unterwäsche wird dreimal im Monat desinfiziert. Nur an diesen Tagen können sich die Häftlinge mit warmen Wasser waschen. Sommer wie Winter sind die Häftlinge nur mit Holzschuhen und ihrer gestreiften Häftlingsmontur bekleidet. Nur selten werden bei großer Kälte Pullover verteilt. "...bei Frost hat der ganze Körper geschmerzt, wir haben uns gegenseitig massiert. Bei diesem dreistündigen Stehen auf dem Appellplatz fielen die älteren Menschen um, die jüngeren haben versucht zu springen oder sich zu massieren. Watenstedt werde ich nicht vergessen."

Als die Alliierten schließlich immer näher rücken, wird das Lager geräumt. Die Häftlinge sollen mit Zügen in das KZ Ravensbrück transportiert werden. Viele sterben unterwegs. Ihre Leichen müssen von den Kräftigeren begraben werden. Acht Tage lang dauert die Reise. Auf offenen Güterwaggons, ohne Wasser und Verpflegung, kommt der Transport schließlich in Ravensbrück an. Während ein Teil der Häftlinge weiter getrieben wird, bleibt Jan A. bis zur Befreiung durch die sowjetische Armee am 30. April 1945 im KZ Ravensbrück.

Jan A. kehrt nach Gostynin zu seinen Eltern und seiner Frau zurück. Seinen Beruf als Bäcker muss er nach Kriegsende aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er arbeitet als Chauffeur und Fahrer. Heute leben Jan und Joanna A. in Warschau. Sie haben eine Tochter und zwei Enkelkinder.

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