![]() Joanna K., Italien, 29.12.1945 (Quelle: AK Stadtgeschichte)
Joanna K. (oben) und drei Freundinnen, 1934 in Warschau (Quelle: AK Stadtgeschichte)
San Giorgo, Schule für ehem. Angehörige der Armia Krajowa (Heimatarmee)1946 (Quelle: AK Stadtgeschichte)
Kurz vor der Rückkehr nach Polen, England 1947 (Quelle: AK Stadtgeschichte) |
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BIOGRAPHIE: Joanna K. 1940 lernt Joanna K. in einer der geheimen Oberschulen Warschaus Stefania G. und Janina K. kennen. Sie wollen ihr Abitur machen, obwohl polnischen Jugendlichen der Besuch von Gymnasien untersagt ist. Die drei Mädchen schließen sich bald einem verbotenen Pfadfinderverband an. Als Mitglieder der Widerstandbewegung werden sie im August 1944 während des Warschauer Aufstandes verhaftet und in das KZ Ravensbrück gebracht. Mit dem stetig steigenden Bedarf an Arbeitskräften im Verlaufe des Krieges werden die KZ-Häftlinge zunehmend auch in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Auch aus dem KZ Ravensbrück rekrutiert man Arbeitskräfte. Als zwei Vertreter der Reichswerke "Hermann-Göring" sowie ein SS Mann in das Lager kommen, um arbeitsfähige Häftlinge auszusuchen, müssen die Frauen nackt zum Appell antreten. Mit ungefähr 300 Frauen werden die drei am 13. September 1944 nach Salzgitter-Bad gebracht. Die Frauen sind scheinbar die ersten, die das KZ-Außenlager südlich der Stadt beziehen. Untergebracht werden sie in vier Holzbaracken, von denen jede acht Stuben mit je sechzehn Betten, einen Waschraum sowie einen Raum für die Stuben- bzw. Blockälteste hat. Die Gruppe der Häftlinge setzt sich aus polnischen, französischen, italienischen, griechischen, jugoslawischen und russischen Frauen zusammen. Viele der unterernährten und geschwächten Frauen überleben den Winter nicht. Die gestreiften Lagerkleider, Holzpantinen und das Papier, mit dem die Füße eingewickelt werden, bieten keinen Schutz gegen die Kälte. "Besonders die feingliedrigen Griechinnen, die an solches Klima nicht gewohnt waren, starben vor Kälte. Der griechische Block schmolz bei jedem Appell förmlich dahin", erinnert sich Joanna K.. In der AG für Bergbau- und Hüttenbedarf arbeiten die Häftlinge in der Granatenproduktion. Joanna K. bedient eine Drehmaschine. Acht Stunden täglich und ohne eine Pause müssen die Frauen diese Arbeit ausführen. Nach ihrem schweren Arbeitstag in der Fabrik werden sie noch stundenlang zu Aufräum- und Reinigungsarbeiten gezwungen. In der Nacht vom 7. auf den 8. April beginnt die "Evakuierung". Die Frauen werden gemeinsam mit den Häftlingen aus dem KZ Drütte in Güterwagons verladen. Auf dem Celler Bahnhof gerät der Häftlingstransport am nächsten Tag in eine Bombardierung von drei US-Geschwadern. Viele der Gefangenen kommen in den geschlossenen Waggons um. In der allgemeinen Panik versuchen die Menschen zu fliehen, werden aber von der SS und Celler Bürgern wieder zusammengetrieben bzw. auf der Flucht erschossen. Als die SS-Männer alle KZ-Häftlinge wieder in Gewahrsam haben, marschiert die Gruppe in Richtung Bergen-Belsen. "Jeder Schuß weckte in mir einen unbändigen Willen und die Kraft zum Weitermarschieren. Ich war 18 Jahre alt und wollte nicht sterben. (...) Nach zwei oder drei Tagen erblickten wir das Ziel unseres Marsches, ein großes Lager, Stacheldraht und viele Wärter. Es war das KZ Bergen-Belsen (...) Ich versuche nicht einmal den Anblick zu beschreiben. Ravensbrück, Neuengamme waren im Vergleich zu Bergen-Belsen der Himmel. So konnte nur die Hölle aussehen." Als Angehörige der polnischen Widerstandsbewegung erhalten Joanna K. und ihre beiden Freundinnen nach dem Krieg in besonderen Lagern in Oberlangen, Italien und England schulische und militärische Ausbildungen.
Im Mai 1947 kehren die drei Freundinnen nach Polen zurück. Joanna K. findet ihren Vater mit Hilfe des Roten Kreuzes und kehrt mit ihm zur Mutter nach Polen zurück. Sie beginnt mit dem Studium der Medizin und wird Ärztin. Im Rahmen ihrer beruflichen Laufbahn setzt sie sich mit dem Problem der KZ-Haft und ihren psychischen und physischen Folgen auseinander und betreut ehemalige KZ-Häftlinge. 1990 kommt Joanna K. das erste Mal nach dem Krieg wieder nach Salzgitter, um an einer Gedenkfeier teilzunehmen. Ein Jahr später wird sie von ihren beiden Freundinnen bei einem weiteren Besuch begleitet. |