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Die Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“ wurde am 15. Juli 1937 gegründet. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen sollten die Eisenerze des Salzgitter-Gebietes in großem Umfang gefördert und zu Rüstungsgütern verarbeitet werden.
Für den Bau der Industrieanlagen in der landwirtschaftlich geprägten Region wurden Zehntausende von Arbeitskräften aus dem In- und Ausland angeworben und provisorisch in Barackenlagern untergebracht. Bereits zwei Jahre nach Baubeginn wurden die ersten beiden Hochöfen in Betrieb genommen. Bald zählten die Reichswerke zu den modernsten und größten Rüstungsbetrieben des „Dritten Reiches“.

Als Mittelpunkt der neuen Industrieregion entwarfen die Stadtplaner eine „nationalsozialistische Musterstadt“.
Doch Arbeitskräfte- und Materialmangel machten das großangelegte Bauvorhaben nur teilweise realisierbar. Selbst nachdem 28 Gemeinden am 1. April 1942 zur Stadt Salzgitter zusammengeschlossen wurden, blieb die Stadt lediglich ein Anhängsel der Reichswerke und behielt den Charakter eines Provisoriums.

Es gab gut 60 Lager im Salzgittergebiet. Sie spiegelten das gesamte NS-Lagersystem wider. Die Lagerbewohner waren aus den unterschiedlichsten Gründen in der Stadt, die wenigsten kamen freiwillig.

Nach Kriegsbeginn setzten die Reichswerke Kriegsgefangene und Deportierte aus den besetzten Gebieten ein, um die Rüstungsproduktion zu sichern. Als die SS ab 1942 Außenkommandos der großen KZ-Stammlager bei kriegswichtigen Unternehmen errichtete, entstanden auch im Salzgitter-Gebiet drei Außenlager des KZ Neuengamme bei Hamburg. Propagandaminister Goebbels prägte hierfür den Begriff der „Vernichtung durch Arbeit“.

Im Salzgittergebiet befreiten die Alliierten im April 1945 ungefähr 40.000 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und ausländische Arbeitskräfte – mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft der Reichswerke. Die drei KZ-Außenlager wurden vorher von der SS geräumt und alle Häftlinge abtransportiert.