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KZ Salzgitter-Bad

Luftbild SZ-Bad 04-1945Das Lager

Im Spätsommer 1944 wurde im ehemaligen Zivilarbeiterlager Nr. 43 am südlichen Rande der Stadt nach einigen baulichen Veränderungen als Letztes von drei Außenlagern das KZ Salzgitter(-Bad) eingerichtet.

In vier Baracken waren zwischen Herbst 1944 und April 1945 im Schnitt etwa 500 Frauen inhaftiert. Das SS-Lager grenzte direkt an das KZ.

Die Häftlinge

Die Frauen im KZ Salzgitter-Bad kamen aus verschiedenen europäischen Ländern, der größte Teil von ihnen war aus politischen Gründen inhaftiert worden. Die Transporte kamen vor allem aus dem großen KZ Ravensbrück im Außenlager an. Hier erhielten die Frauen neue Häftlingsnummern, die dem KZ Neuengamme zugeordnet waren.

Die Arbeit

Wenige Kilometer vom Lager entfernt wurden die Frauen in der Rüstungsproduktion zur Arbeit eingesetzt. Ein großer Teil von ihnen musste den Weg in die damalige AG für Bergbau- und Hüttenbedarf zu Fuß zurücklegen. Einige Frauen wurden mit LKW in das Kleineisenwerk am Gittertor gefahren.
Im Dreischichtsystem produzierten sie Granatenhülsen und Zubehör für Rüstungsgüter. Ungewohnte Arbeitsaufträge und große Verständigungsschwierigkeiten führten immer wieder zu Missverständnissen und Fehlern, die häufig als Sabotageakte bestraft wurden.

Die Lebensumstände

Der harten Arbeit standen unzureichende Ernährung, für den kalten Winter mangelhafte Kleidung und schlechte hygienischen Umstände gegenüber. Eine geregelte medizinische Versorgung gab es nicht und so breiteten sich schnell Krankheiten im Lager aus.
Arbeitsunfähige Häftlinge wurden in andere Konzentrationslager abtransportiert, die meisten von ihnen starben dort an den Folgen der Gefangenschaft. Für das Frauenaußenlager im Salzgittergebiet lassen sich „nur“ vier Tote nachweisen. Sie sind auf dem Friedhof Jammertal beigesetzt worden.

Die Räumung

Mit dem näher rückenden Kriegsende veränderte sich die Atmosphäre im Lager spürbar. Am 7. April 1945 wurde es von der SS geräumt. Gemeinsam mit den Häftlingen aus dem KZ Drütte wurden die Frauen in einem Zug Richtung Norden abtransportiert.
Am Celler Güterbahnhof geriet der Transport in einen Bombenangriff der Alliierten, viele Häftlinge starben. Diejenigen, die sich zunächst in die Umgebung retten konnten, wurden jedoch von der SS und Celler Bürgern zusammengetrieben, teilweise auch wahllos erschossen. Nicht marschfähige Häftlinge wurden unversorgt in einem Pferdestall in Celle zurückgelassen, die anderen mussten zu Fuß in das völlig überfüllte KZ Bergen-Belsen laufen. Die Überlebenden wurden dort am 15. April 1945 von den alliierten Truppen befreit.

Der Gedenkort

Das Lager wurde kurz nach Kriegsende für unterschiedlichste Zwecke genutzt, so waren dort eine Bonbonfabrik und ein Farbenlager. Die Holzbaracken wurden jedoch schon sehr bald abgerissen. Auf den Fundamenten der ehemaligen SS-Unterkünfte entstanden Lager- und Büroräume einer Holzhandlung.
Dort, wo einst 500 Frauen inhaftiert waren, befindet sich heute ein städtischer Parkplatz.

Im Zuge der Aufarbeitung der Vergangenheit im Salzgittergebiet, vor allem beeinflusst durch den Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V., wurde 1994 auf dem ehemaligen Lagergelände ein Gedenkstein gesetzt. Die hier angebrachte Metalltafel trägt die Inschrift:

„An dieser Stelle befand sich vom Herbst 1944 bis April 1945 das KZ-Außenlager Salzgitter. Etwa 500 Frauen verschiedener europäischer Nationalitäten waren hier inhaftiert. Sie mussten in Rüstungsbetrieben arbeiten“.

Weitergehende Informationen zum ehemaligen KZ-Außenlager Salzgitter sind am historischen Ort nicht zu finden.

Lage
Der Gedenkort befindet sich an der Friedrich-Ebert-Straße 110, 38259 Salzgitter